kl-270

Aktueller Artname

Pelophylax esculentus aggr.                                         

Wasserfrosch (Komplex)              

Pelophylax esculentus aggr. , Foto Urs Wüthrich

Artname bei Karl Franz Lusser

Rana esculenta  L.                                 

Grüner Wasserfrosch            

————————————

Text von Karl Franz Lusser

Der Grüne Wasserfrosch kommt in den Gräben und Teichen um Altdorf häufig vor. In den höher gelegenen Teichen und kleinen Bergseen wird er jedoch viel grösser als hier, so zum Beispiel auf Golzern. Die Tiere werden wegen ihres schmackhaften, zarten und gesunden Fleisches häufig gefangen und gegessen, besonders vor der Begattungszeit im März und April. Der Fang ist nachts nach einem warmen Regen besonders ergiebig. Zu Berg und Tal stimmen die Frösche fast gleichzeitig den Quakruf an und setzen ihn beharrlich Tag und Nacht fort. Nachdem ein Vorgänger grobstimmig intoniert, folgt der Chor in langen Responsorien und schmetternden Tuttis wie ein Kapuzinerchor, lediglich von kurzen Schweigepausen unterbrochen.

Kommentar aus heutiger Sicht

Lusser erkannte, dass die Frösche von unterschiedlicher Grösse sein können und zwar nicht nur geschlechterspezifisch bedingt. Die Systematik des Wasserfroschkomplexes mit seinen Hybriden ist derart verzwickt, dass Lusser damals unmöglich weitere Unterscheidungen machen konnte. Erst Kreuzungsversuche mit Beobachtungsreihen und genetischen Analysen halfen den Zoologen auf die Sprünge bei der Einteilung dieser Bastardfrösche aus Kleinem Wasserfrosch Pelophylax lessonae (Camerano, 1882), Teichfrosch Pelophylax esculentus (Linnaeus, 1758) und dem bei uns damals abwesenden Seefrosch Pelophylax ridibundus (Pallas, 1771). Mittlerweile ist erkannt, dass das Ganze wohl noch komplizierter ist und weitere Arten in die Schweizer Bestände hineinspielen. Lusser erwähnt Rana esculenta L. als Grünen Wasserfrosch, welcher in Gräben und Teichen auf den Flächen um Altdorf vorkomme. Allerdings relativiert er die Aussage über diese Tiere in den Alpenseen gleich selbst, indem er vermutet, diese könnten Rana alpina sein, weil sie grösser und fleischiger seien. Dabei handelt es sich nämlich um den Grasfrosch Rana temporaria Linnaeus, 1758 (siehe unten), dessen italienischer Name Rana rossa auch mit dem Synonym Rana alpina bezeichnet wurde. Bei kritischer Betrachtung gibt es bei Lusser noch andere Unstimmigkeiten. So quaken die Wasserfrösche erst etwa ab Ende April und die Grasfrösche können mangels gut ausgebildeter Schallblase kaum laut quaken. Wasserfrösche sind zudem nur am Urnersee und in der Reussebene zu finden, nicht jedoch in höheren Lagen.